Workshop ÖIF

„Wer sagt es unseren Männern?“

Generationen und Integration

Ein Satz von Hamzeh Laila, Leiter des Teams „Maßnahmen für Männer“ im Österreichischen Integrationsfonds, blieb nach unserem Workshop hängen: „In Österreich haben Frauen so viele Chancen. Wer sagt es unseren Männern?“ Er fasst zusammen, worum es einen Nachmittag lang mit den Führungskräften des ÖIF ging. Nicht ums Verwalten. Ums Gestalten.

Letzte Woche waren wir von Empowering Democracy zu einem Workshop mit Führungskräften des Österreichischen Integrationsfonds eingeladen. Ein bedeutsamer Nachmittag für uns, und so ehrlich müssen wir sein: Wir sind mit einer gewissen Erwartungshaltung hingegangen und anders wieder rausgekommen.

Die Begeisterung, mit der diese Menschen von ihrer Arbeit und von denen erzählen, die sie begleiten, war sehr Inspirierend. Gastgeber Edwin Schäffer, Leiter des Büros für Grundsatzangelegenheiten im ÖIF und Koordinator des Fachbereichs „Generationen und Integration“ bei Empowering Democracy, hat uns gemeinsam mit seinem Team gezeigt, dass die Arbeit beim ÖIF von Menschen getragen wird, die sich ganz bewusst dafür entschieden haben. Drei davon möchten wir euch vorstellen.

Rollenbilder, Vorbilder und Sprache als Schlüssel

Hamzeh Laila und sein Team begleiten Männer dabei, die eigenen Rollenbilder und Denkmuster verstehen zu lernen. Er erklärt, wie das Miteinander von Mann und Frau in Österreich gelebt wird, und schafft dabei etwas, das selten geworden ist: einen Raum für ehrliches Mitteilen und aufrichtiges Zuhören. Für viele dieser Männer ist er ein Vorbild. Sein Satz zu den Chancen von Frauen, und zu der Frage, wer das eigentlich den Männern sagt, bringt die Sache auf den Punkt.

Fitore Morina leitet die Initiative ZUSAMMEN:ÖSTERREICH. Mit Integrationsbotschafter:innen, die selbst eine Migrationsgeschichte mitbringen, besucht sie Schulen und Vereine im ganzen Land. Sie erzählen von ihrem eigenen Werdegang und machen jungen Menschen Mut, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Für weibliche Jugendliche macht Fitore alternative Rollenbilder überhaupt erst sichtbar. Man muss gesehen haben, dass es geht, um zu glauben, dass es für einen selbst geht.

Thomas Stiglbrunner leitet das Team „Digitales Lernen“ und macht deutlich, worum es bei Integration wirklich geht: um echte Teilhabe. Der Schlüssel dazu ist die deutsche Sprache, alltagsnah und berufsorientiert vermittelt, über ein großes kostenloses Online-Angebot. Werte und Orientierung gehören als Fundament dazu, ebenso selbstbestimmtes Lernen, die Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt und digitale Grundkompetenzen. Ein All-Inclusive-Angebot, im besten Sinn. Der vielleicht entscheidende Hebel für Chancengleichheit steckt fast unscheinbar mittendrin: die kostenlose Kinderbetreuung. Ohne die bleibt vieles Theorie.

Was Integration braucht

Diese drei stehen für viele. Was ich mitnehme: Integration gelingt nicht an einer Stellschraube, sondern wenn Zugang, Struktur, Perspektive und Zugehörigkeit gleichzeitig entstehen. Nicht nacheinander. Gleichzeitig. Das ist anstrengender, als es klingt, und genau deshalb beeindruckt es mich.

Diese stärkenorientierte Haltung, der Blick auf Ressourcen statt auf Defizite, entspricht auch unserem Selbstverständnis bei Empowering Democracy. Veränderung entsteht dort, wo Menschen gesehen, ermutigt und befähigt werden.

Bleibt der Dank. An die rund 500 Mitarbeitenden des ÖIF in allen neun Bundesländern. Ihr positives Gestalten hat für mich Vorbildwirkung, weil es zeigt, wie lebensverändernd es ist, die Stärken eines Menschen in den Fokus zu stellen und nicht seine Lücken.

Demokratie wirkt, wenn Menschen bewusst positiv gestalten wollen.

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