Qero April

Demokratie braucht gute Gastgeber:innen

Miteinander reden

Ein Abend im Q’ero, drei Gäste, ein Thema: Europa, Sicherheit, Demokratie. Was nach klassischem Netzwerktreffen klingt, folgt bei Empowering Democracy einer Überzeugung, die Vereinsvorsitzender Wilhelm Sandrisser seit Jahren lebt: Demokratie fängt nicht bei der Wahlurne an, sondern beim Gastgeben. Über eine soziale Kompetenz, die in der Psychologie einen Namen hat, und darüber, warum wir sie für unterschätzt halten.

Gastfreundschaft. Das klingt erst mal nach Buffet und Sitzordnung. Ist es aber nicht, jedenfalls nicht bei uns.

Für uns ist sie eine Haltung. Echtes Interesse am Gegenüber, Wertschätzung, der Wunsch, Räume zu schaffen, in denen Vertrauen wachsen kann. Die psychologische Forschung fasst genau das unter dem Begriff Hospitality zusammen: dem Ausdruck von Verbundenheit und Fürsorge. 1 Wenn die Atmosphäre stimmt, dann öffnen sich Menschen, lassen andere Perspektiven zu und suchen eher nach gemeinsamen Lösungen.

Womit wir beim eigentlichen Punkt wären. Eine lebendige Demokratie lebt davon, dass Menschen bereit sind, die Welt auch mit den Augen anderer zu sehen. Perspektivübernahme nennt die Forschung diese Fähigkeit, Gedanken und Erfahrungen anderer nachzuvollziehen, und sie zählt zu den zentralen sozialen Kompetenzen für gelingenden Zusammenhalt.

Wir erleben das in der täglichen Arbeit immer wieder. Wo Menschen einander aufmerksam zuhören, ehrlich sprechen, Erfahrungen respektvoll austauschen, entsteht Vertrauen. Und daraus wieder Neues. Bleibt die Frage: Wie sähe unsere demokratische Kultur aus, wenn ehrliches Mitteilen und aufrichtiges Zuhören selbstverständlich wären?

Miteinander statt gegeneinander reden

Wilhelm Sandrisser, Vereinsobmann und Initiator von Empowering Democracy, lebt diese Haltung seit vielen Jahren, mit Leidenschaft. Sein Rezept ist simpel und wirkt trotzdem: Menschen unterschiedlicher Hintergründe, Professionen, Generationen und politischer Überzeugungen an einen Tisch bringen.

Daraus sind über die Jahre regelmäßige Treffen mit dem kryptischen Akronym ELEUC entstanden. (Was hinter dem Kürzel steckt? Das verrät Willi am liebsten persönlich.) Nur soviel: Hier begegnen sich Menschen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise für ein gutes Zusammenleben engagieren, aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft. Verbunden durch den Wunsch, unsere demokratische Gesellschaft aktiv mitzugestalten.

Beim Treffen im April ging es um „Europa, Sicherheit und Demokratie“. Wertvolle Impulse brachten unter anderem: Ursula Werther-Pietsch, Dozentin für Internationales Recht und Internationale Beziehungen an der Universität Graz, Gründerin der Neuen Schule des Multilateralismus und Proponentin von Empowering Democracy, Helfried Carl, Mitbegründer des Innovation in Politics Institute und Gründer der European Capital of Democracy, sowie Antonio Martino, Nationaler Koordinator im Bundeskanzleramt für die Förderung des österreichisch-jüdischen Kulturerbes und die Bekämpfung von Antisemitismus.

Die Gespräche zeigten, wie eng demokratische Resilienz, europäische Zusammenarbeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt zusammenhängen. Gerade in herausfordernden Zeiten braucht es Orte, an denen unterschiedliche Perspektiven konstruktiv aufeinandertreffen.

Gastfreundschaft als demokratische Praxis

Deshalb ist Gastfreundschaft für uns mehr als ein netter Rahmen. Sie stärkt Zugehörigkeit und Vertrauen. Sie erleichtert den offenen Austausch. Sie fördert Respekt und Dialog. Und sie erzeugt Orte, in denen Menschen Verantwortung übernehmen.

Demokratie, so gesehen, ist kein System, das irgendwo verwaltet wird. Sie ist eine Kultur des Miteinanders, die jeden Tag neu entsteht. Durch Begegnung, durch Offenheit, durch gemeinsame Verantwortung.

Mit Empowering Democracy wollen wir eine DACH-weite Bewegung von Menschen stärken, die genau das mitgestalten wollen. Unsere Veranstaltungen, Workshops und Dialogformate haben ein Ziel: Menschen verbinden, Verständnis fördern, gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Wer mitgehen und seine Erfahrungen, Perspektiven und Stärken einbringen möchte, ist herzlich eingeladen. Jede Begegnung kann der Anfang von etwas Größerem sein.

Denn Demokratie wirkt, wenn wir wirken.

Qero April

  1. Biswas-Diener, R., Kushlev, K., Su, R., Goodman, F., Kashdan, T., & Diener, E. (2019). Assessing and understanding hospitality: The Brief Hospitality Scale. International Journal of Wellbeing, 9 ( 2), 14–26. ↩︎