Gemeinsam mit den Verantwortlichen für Demokratiebildung im Bundesministerium für Bildung haben wir uns ausgetauscht, wie sich Schulen als lebendige Orte der Mitgestaltung stärken lassen. Grundlage: Initiativen, die in Schulen bereits funktionieren, und Forschung aus der Charakterstärken-, Werte- und Motivationsforschung. Danke an Anna Obenhuber, Nikolaus Kowarz und Florian Matzka sowie an unseren Initiator Wilhelm Sandrisser, die das möglich gemacht haben.
Was uns beeindruckt hat: Die Ansätze des Ministeriums sind mutig formuliert und zugleich fest im Regierungsprogramm 2025 verankert. Konkret heißt das: In der Sekundarstufe 1 wird „Demokratiebildung“ als eigenes Pflichtfach eingeführt, von der Menschenwürde bis zur Rechtsstaatlichkeit. Gegen Desinformation und Fake News setzt man auf kritische Medienkompetenz und den Zugang zu unabhängigem Journalismus. Und Bildung wird als Fundament verstanden, auf dem Talente unabhängig vom Hintergrund gefördert werden.
Stärken kennen, bevor man KI nutzt
Dazu passt, was unsere Mitwirkenden und Positive-Education-Expertinnen Andrea Wöber und Ingrid Teufel deutlich machten: Die Basis für Wohlbefinden, Motivation und Engagement von Schüler:innen liegt darin, die eigenen Charakterstärken spielerisch zu erkennen, zu erkunden und einzusetzen. Die VIA-IS-Stärken bieten dafür eine wissenschaftlich fundierte, über Jahrzehnte in der Praxis erprobte Grundlage.1
Marina Adele Scherz, Mitwirkende und Expertin für AI and Human Flourishing, knüpfte hier an. Wer KI reflektiert nutzen will, muss die eigenen Stärken kennen und bewusst in den Alltag holen. Bei der KI-Nutzung von Schüler:innen geht es dabei um beides: um die funktionalen Aspekte und die relationalen. AI Literacy ist eben mehr als Technikbeherrschung.
Das Highlight: Regieren als Spiel
Und dann brachte Markus Schratter sein selbst entwickeltes Politik- und Demokratiespiel mit: „GEMEINSAM. ÖSTERREICH REGIEREN. VIEL BEWEGEN.“ Hier wurde greifbar, wie moderne Wissensvermittlung per Gamification aussieht.
Das spielerische Erleben senkt die Hemmschwelle, sich mit sperrigen Inhalten wie Staatsgewalten oder Menschenrechten überhaupt zu befassen. Es fördert kritisches Denken, Problemlösung und Teamwork, also genau die Fähigkeiten, die der Europarat in seinem Referenzrahmen für eine demokratische Kultur einfordert. Und durch das eigene Handeln im Spiel verankern sich Wissen und Werte tiefer als beim bloßen Zuhören. Wenn wir Demokratie erlebbar machen, bauen wir eine Basis, die auch in stürmischen Zeiten beweglich und resilient bleibt.
Diese Arbeit funktioniert nur, weil die Teilnehmenden sie mit Gestaltungsfreude tragen. Jede und jeder bringt eine eigene Perspektive mit, und alle verbindet der Wunsch, Demokratie positiv mitzugestalten. Demokratie ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Er beginnt mit der Haltung, mitzugestalten.
Manchmal beginnt Demokratie mit einem Würfelwurf
- Weber, M., & Harzer, C. (2022). Relations between character strengths, school satisfaction, enjoyment of learning, academic self-efficacy, and school achievement: An examination of various aspects of positive schooling. Frontiers in Psychology, 13. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2022.826960 ↩︎
