von Wilhelm Sandrisser, Empowering Democracy
Was braucht es, damit Menschen demokratischen Institutionen wieder vertrauen? Eine mögliche Antwort kam Ende August aus Münster.
Vom 28. bis 30. August 2026 feierte die Stadt den NRW-Tag zum 80. Geburtstag Nordrhein-Westfalens, unter dem Motto „Demokratie lebt. Vielfalt verbindet“. Hunderttausende Besucherinnen und Besucher kamen – mittendrin die Blaulichtmeile der Polizei Münster mit Mitmachstationen, Fachgesprächen und wissenschaftlichem Programm.
Sicherheit wurde erklärt, Polizei wurde zur Gesprächspartnerin
Die Blaulichtmeile war mehr als eine Leistungsschau. Sie zeigte, wie Polizeiarbeit Demokratie erfahrbar machen kann: Sicherheit wurde erklärt statt nur demonstriert, die Polizei trat als Gesprächspartnerin auf statt als reine Ordnungsmacht, und Demokratie wurde zum direkten Erlebnis für die Besucherinnen und Besucher.
Polizeipräsidentin Alexandra Dorndorf brachte den Auftrag ihrer Behörde auf den Punkt: „Wir haben einen Diensteid geschworen, unsere Verfassung aktiv zu verteidigen.“ Für sie ist das der Kern der Arbeit – und dort, wo Vertrauen in den Staat verloren geht, etwa bei Fragen der Integration, müsse die Polizei gemeinsam mit Partnern gegensteuern. Möglich wird das durch das hohe Vertrauen, das die Polizei in der Bevölkerung genießt.
Dieses Vertrauen war in Münster sichtbar: großes Interesse und viel Applaus für die Beiträge rund um Demokratie. Auch Wilhelm Sandrisser von Empowering Democracy sprach vor Ort über die Initiative und war Teil eines starken Programms – am Samstag moderierte er ein Gespräch mit Friedemann Schulz von Thun, der die Initiative unterstützt, am Sonntag teilte er sich die Bühne mit Dr. Bernd Bürger von der Bayerischen Polizei.
Ihm wurde in diesen drei Tagen deutlich: Kennenlernen, Dialog und eine erlebte Haltung schaffen Vertrauen – nicht Kampagnen, sondern der direkte Kontakt.
Menschennahe Polizeiarbeit als Vorbild
Diese Haltung zeigt sich bei der Polizei Münster auch im Alltag jenseits einzelner Veranstaltungen. Sie schafft Räume für Austausch, etwa für Menschen, die sonst kaum in Kontakt mit staatlichen Institutionen kommen. Sie sucht das Gespräch dort, wo ihr Misstrauen entgegenschlägt, zum Beispiel in Flüchtlingseinrichtungen. Und sie erklärt Zugewanderten mit negativen Polizei-Erfahrungen aus ihren Herkunftsländern, warum sie der Polizei hierzulande vertrauen können – etwa anhand der rechtlichen Voraussetzungen für Kontrollen.
Dabei bleibt die Polizei nicht für sich: Sie vernetzt sich mit der Bezirksregierung, den Stadtwerken, Busfahrerinnen und Busfahrern sowie der Handwerkskammer. Gutes Zusammenleben, so die Erfahrung aus Münster, gelingt nur gemeinsam. Genau auf diese Weise können staatliche Institutionen Vertrauen in die Demokratie stärken – und genau das will Empowering Democracy sichtbar machen und fördern.
Münster steht nicht allein
Die menschennahe Philosophie, die in Münster sichtbar wird, findet sich auch anderswo: Torsten Krückemeier, Polizeipräsident in Mittelhessen, und Thomas Kubera, Polizeipräsident in Hamm, verfolgen einen ähnlichen Ansatz. Es entsteht der Eindruck eines breiteren Umdenkens in der deutschen Polizeiarbeit – weg von reiner Ordnungsfunktion, hin zu aktiver Vertrauensbildung.
Der nächste Schritt: Wien im November
Diese Erfahrungen bringen wir jetzt nach Wien. Beim Europäischen Demokratie-Kongress am 20. und 21. November diskutieren wir mit Alexandra Dorndorf, Antonia Linnenbrink und Torsten Krückemeier über die Fragen, die sich aus Münster ergeben:
- Wie kann Polizei Vertrauen in die Demokratie stärken?
- Was bedeutet demokratische Polizeiarbeit konkret?
- Was können andere öffentliche Einrichtungen davon lernen?
Empowering Democracy zielt auf Kooperation über Staatsgrenzen hinweg – nicht nur bei Sicherheit und Polizeiarbeit, sondern auch bei Bildung, Digitalisierung, Kultur, Wirtschaft und Arbeit. Münster hat gezeigt, wie viel möglich ist, wenn Institutionen den Dialog suchen statt ihn zu scheuen.
Wir sehen uns in Wien.
