Beim letzten ELEUC-Treffen kamen wieder Menschen aus ganz verschiedenen Ecken der Gesellschaft zusammen, mit unterschiedlichen politischen Einstellungen und dem gemeinsamen Interesse, voneinander zu lernen. Gastgeber und treibende Kraft hinter diesem Format ist Wilhelm Sandrisser, Initiator von Empowering Democracy. Thema des Abends: Resilienz, digitaler Humanismus und Demokratie. Drei Impulse, drei Blickwinkel.
Vertrauen zuerst, und die Wissenschaft am Zug
Thomas Starlinger, Sicherheitsexperte, ehemaliger Verteidigungsminister und Berater von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, machte den Anfang mit einem Gedanken, der einfach klingt und es nicht ist: Die Resilienz einer Gesellschaft hängt am Vertrauen in ihre Institutionen. In Politik, Verwaltung, Wirtschaft. Vertrauen ist kein Nebeneffekt von Demokratie, sondern eine ihrer Grundlagen. Fällt es weg, hilft auch das beste System nichts mehr. Michael Stampfer, Geschäftsführer des WWTF und Proponent von Empowering Democracy, verschob die Perspektive dann auf die Wissenschaft und auf den digitalen Humanismus: Technologie ist kein Naturereignis, das über uns hereinbricht, sondern etwas, das wir am Menschen ausrichten müssen, nicht umgekehrt. Lange konnte sich die Wissenschaft darauf verlassen, von demokratischen Strukturen geschützt zu werden. Diese Zeit ist vorbei. Heute ist sie selbst gefragt, aktiv zum Schutz der Demokratie beizutragen, und mit dafür zu sorgen, dass der digitale Wandel dem Menschen dient.
Wer sich ohnmächtig fühlt, wählt nur noch ab
Therese Aigner, Kommunikationsleiterin von Empowering Democracy, brachte den Zusammenhang von Demokratie und Handlungsfähigkeit auf den Punkt. Wer sich machtlos fühlt, zieht sich zurück oder wählt nur noch ab. Wer dagegen erlebt, dass er etwas gestalten kann, wird Teil der Lösung. Selbstwirksamkeit ist kein weiches Wohlfühlthema, sondern ein harter demokratischer Faktor.
Was der Report dazu sagt
Dass wir mit diesen Themen ziemlich genau am Puls der Zeit liegen, bestätigt der Human Resilience Report 2026 von Janna Anderson und Lee Rainie1. Hunderte Fachleute aus Technologie, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft fordern darin eine klare „Institutions-first“-Agenda.
Der interessante Dreh: Resilienz wird hier ausdrücklich nicht als individuelles Durchhaltevermögen verstanden, nicht als grit. Sondern als kollektive Aufgabe, die starke Institutionen braucht und eine neue „existenzielle Bildung“, existential literacy. Es geht darum, unsere Handlungsfähigkeit und Urteilskraft aktiv zu bewahren, statt sie schleichend an Algorithmen abzugeben. Technologie soll Menschen befähigen, nicht ersetzen. Genau der Punkt, den Stampfer schon gemacht hatte.
Und dann wurde geredet
Gesine Otto zeigte anschließend, passend zum Tag der Mediation, was Mediation in festgefahrenen Situationen bewegen kann. Torsten Krückemeier, Polizeipräsident von Mittelhessen, steuerte einen Impuls zu demokratischer Polizeiarbeit vor Ort bei, und zur Frage, wie Vertrauen zwischen Bevölkerung und Sicherheitsbehörden überhaupt entsteht.
Die Gespräche danach zeigten wieder, worum es bei alldem eigentlich geht. Demokratie lebt nicht nur von Institutionen. Sie lebt von Menschen, die bereit sind, über den eigenen Tellerrand zu schauen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam etwas aufzubauen.
Danke an alle, die dabei waren, für die Offenheit und die vielen unterschiedlichen Perspektiven. Denn Demokratie wirkt, wenn wir wirken.

- Anderson, J., & Rainie, L. (2026). Building a human resilience infrastructure for the AI age (Executive Summary). Imagining the Digital Future Center, Elon University. ↩︎
